Kirchliches Festjahr

Allerseelen

Gedenktage für alle Verstorbenen. 2. November, ein Tag nach Allerheiligen – Hochfest (H)

Jährliche Gedenktage für alle Verstorbenen (Sammelfest) gibt es in der Westkirche seit dem frühen Mittelalter, meist nach der Osterzeit, z. B. am Pfingstmontag oder am Montag nach dem Dreifaltigkeitssonntag. Tendenziell gibt es eine - allerdings nicht allgemeingültige - Verbindung zwischen Ostern und dem Totengedächtnis. Papst Johannes XXIII. (1958 - 1963) hat noch von Ostern als dem "Fest aller Toten" gesprochen. Seit dem 9. Jahrhundert, befördert durch Cluny, setzt die Verlagerung des Gedenktages auf den 2. November, den Tag nach Allerheiligen, ein.

Einem zunächst nur bei den Dominikanern, dann bei den Priestern des hispanischen Einflussgebietes verbreiteten Brauch nach durften an diesem Tag drei Messen von jedem Priester gelesen werden. Dieser Brauch wurde 1915 von Benedikt XV. auf die ganze Kirche ausgedehnt. Der Tag ist tief im Volksbewusstsein verankert, das von einer "Sippenfrömmigkeit" gespeist wird. Am Vortag von Allerseelen, am Nachmittag von Allerheiligen, werden die Gräber mit Grün und Blumen (Astern und Chrysanthemen) geschmückt (Repräsentanz der Verstorbenen durch die Lebenden) und ein ewiges Licht aufgestellt. Für das 16. Jahrhundert ist dies bereits für Köln belegt, wo ein Gottesdienst und ein abendliches Gedächtnismahl dazugehörten.

Der Armseelenkult wurde durch die von einigen Kirchenvätern vertretene und vom Trienter Konzil bestätigte Auffassung gefördert, die Seelen Verstorbener, die vor Gottes Gericht bestanden hätten, seien vor ihrer Aufnahme in den Himmel an einem Ort der Reinigung (Purgatorium, Fegfeuer). Die Lebenden könnten den Toten durch Armseelenspenden helfen: Messopfer, Gebete, Opfer und Fasten. Die "Pflege der Seelen" in Form von "Seelgerätestiftungen" (Seelgerät), die Hilfe der Lebenden für die Verstorbenen, deren endgültige Erlösung durch "gute Werke" befördert werden sollte, konzentrierte sich nun auf Allerseelen. Die Jesuiten gründeten die Armseelenbruderschaften unter dem Patronat des heiligen Josef. Nach altem Volksglauben, der auch in evangelischen Gebieten verbreitet war, stiegen die Armen Seelen an diesem Tag aus dem Fegfeuer zur Erde auf und ruhten für kurze Zeit von ihren Qualen aus. An manchen Orten finden feierliche Prozessionen der Gläubigen auf den Friedhof statt, wobei auch die Priestergräber besucht werden. Der Kirchenchor intoniert auf dem Friedhof das "Dies irae, dies illae". Mit dem Allerheiligentag endete in früheren Jahrhunderten das alte Wirtschaftsjahr. Das neue begann mit Martini.

Andere Bezeichnungen für Allerseelen: Selentag, seltag.

© Dr.theol. Manfred Becker-Huberti, Köln

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